Museum, politics and power: Eher Fragen als Antworten (gut so)

Autor: Andreas Grünewald Steiger, Leitung Programmbereich Museum, Bundesakademie für Kulturelle Bildung, Wolfenbüttel/Deutschland

1. Das Museum ist politisch
Zwar handelt es nach dem Prinzip wissenschaftlicher Neutralität, seine raison d’être ist dabei nach wie vor den Zielen der Aufklärung verpflichtet. Damit ist es objektiv in seinen Verfahren zur Erkenntnisgewinnung und gleichzeitig subjektiv in seiner Haltung gegenüber destruktiven gesellschaftlichen Strömungen. Ein Museum, das nicht gestaltend, fördernd und entwickelnd in eine Gesellschaft und ihre Strukturen hineinwirkt und also politisch ist, hat wenig Sinn. Diese Frage stellt sich aber deshalb grundsätzlich, immer wieder und zu jeder Zeit: Wozu Museum? Wozu dieses Museum?

2. Politik ist Kultur ist Politik
Kultur (und ihre Institutionen) ist nicht abhängig von der jeweilig vorherrschenden Politik.
Die Grammatik der Kultur hat ihre eigene innere Logik, die sich keinem äußeren Diktat unterwerfen kann/darf/soll. Bemächtigt sich die Politik der Kultur, verliert diese ihre eigenständige Gestaltungskraft und damit die Fähigkeit, Werte zu wahren und zu bewirken. Bleibt die Kultur ohne Risikobereitschaft in den gegebenen Grenzen der politischen Rahmenvorgaben, macht sie sich bewegungsunfähig. Trotzdem: Beide bedingen sich und balancieren sich im Idealfall aus, vorausgesetzt, diese Bewegung bleibt permanent. Mir stellt sich an dieser Stelle weniger die Frage nach der Organisation, als vielmehr nach den handelnden Köpfen: Wie politisch muss ein Kurator denken, wie viel Kultur braucht ein Politiker, um diese stabilisierende Dynamik zu erhalten?

3. Macht oder/und Bedeutung
Das Museum beansprucht Deutungshoheit. Wer Bedeutung definiert, ist sinnmächtig. Ist das Museum deshalb bedeutend? Welche Bedeutung hat es tatsächlich für eine Gesellschaft und für den Einzelnen? Ist es wirkmächtig? Wenn ja, auf welche Weise – nicht gemessen an den Zahlen der Besucher, sondern an den Bewegungen in deren Köpfen? Hätten Museen die Macht, Verhältnisse zu ändern, direkt oder über die Politik? Und sind sich die Museen überhaupt einer/ihrer Macht bewusst oder nehmen sie doch eher die zurückhaltende Position ein, zwar im Bewusstsein einer gewissen Bedeutung, aber letztlich ohne Gestaltungsmacht zu sein? Und wenn das so wäre, was bedeutete dies dann für die Zukunft des Museums?

Andreas Grünewald Steiger, Dr. phil., Diplomstudium der Kulturpädagogik an der Universität Hildesheim mit den Schwerpunkten Kunst, Literatur, Psychologie, Pädagogik/Museumspädagogik und Museologie. Seit 1991 Leiter des Programmbereichs Museum an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel. http://bundesakademie.de, http://bundesakademie.de/ueber-uns/zur-person/dr-andreas-gruenewald

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2 comments on “Museum, politics and power: Eher Fragen als Antworten (gut so)
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