Politik im Museum

Экспозиция в Музее политической истории в С-Петербурге

Daueraustellung im Museum für Politische Geschichte in St. Petersburg

Bisher war viel die Rede vom institutionellen Verhältnis von Museum und Politik. Wie sieht es aber aus mit der Politik im Museum, ihrer Darstellung in der Ausstellung? In den Snippets berichtet ein Kollege von seinen Eindrücken aus Jarkarta, wo die offizielle Präsentation der Geschichte eine ganz andere war, als die Sicht der westlichen Welt. Dies ist in vielen Ländern so, wie z.B. in Belarus, von wo Alla ihre Eindrücke schildert. Hier trifft in der Regel nicht zu, was Andreas Grünewald Steiger für das Museum konstatiert, dass nämlich jedes Museum per se politisch sei, weil es „gestaltend, fördernd und entwickelnd“ agiert. Auch die von ihm postulierte Unabhängigkeit von Politik und Kultur gibt es hier nicht, wenngleich natürlich einzelne „handelnde Köpfe“ ihr bestes tun, in den gegebenen Bedingungen Freiräume zu schaffen. Alla schreibt, dass Politik eher auf die Museen wirkt als umgekehrt, zumal im postsowjetischen Raum. Mir kommt dabei das Museum für Politische Geschichte in St. Petersburg in den Sinn, wo unsere Konferenz stattfinden wird. Es handelt sich um eines der vielen ehemaligen Revolutionsmuseen, in denen Politik bzw. Ideologie das Museum dominiert hat. Gerade jedoch in diesem Museum hat sich das sehr schnell nach 1991 geändert, schon bald war hier die alte Dauerausstellung zugunsten mehrerer Einzelausstellungen verschwunden – ganz anders als übrigens in dem Moskauer Parallelmuseum. Über viele Jahre hat das Petersburger Museum in Themenausstellungen politische Fragestellungen variiert und kritisch zueinander in Bezug gesetzt, etwa die gesellschaftlichen Umbrüche 1917 und 1991, die Frage politischer Macht, die Parlamentsgeschichte in Russland oder die Bildsprache von Wahlen und sich dabei immer um moderne Vermittlungsformen und -angebote verdient gemacht. In diesem Jahr hat das Museum eine neue Dauerausstellung eröffnet, die ein für viele neues Bild der Geschichte Russlands im 19. und 20. Jh. bietet. Ganz anders als wir es aus sowjetischen Ausstellungen kennen, steht jetzt der Einzelne im Fokus, seine Möglichkeiten und Einschränkungen, sich in Politik und Gesellschaft zu engagieren. Insbesondere das 20. Jh. erscheint als eine Aneinanderreihung von Unterdrückung, Terror und Unfreiheit. Nicht alle sind damit einverstanden, selbst innerhalb des Museums werden erregte Diskussionen um die Deutungshoheit des nationalen Geschichtsbildes ausgetragen. Genau das macht dieses Museum so besonders in der russischen Landschaft der Geschichtsmuseen und hoffentlich auch zu einem Ziel innerhalb des Konferenzprogramms im September 2014.

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