Freier Eintritt in Museen?

Foto © http://russzeitung.com

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Es gibt ebenso viele Gründe dafür und dagegen und bei wohl kaum einem Thema des Museumsmanagements gehen die Meinungen so weit auseinander. Wir möchten gerne wissen, wie es in Russland, den USA und Deutschland, aber auch in anderen Ländern mit den Eintrittspreisen in die Museen bestellt ist. Wer zahlt wieviel Eintritt? Wer darf wann kostenlos in die Ausstellungen? Sind Eintrittsgelder unsozial und schließen bestimmte Bevölkerungsgruppen von der Kultur aus oder sind sie vielmehr ein Anreiz nach dem Motto „was nichts kostet, ist auch nichts wert“?

Aktuell plant das Museum Ludwig in Köln eine Erhöhung seiner Eintrittpreise von 10 € auf 11 € für Erwachsene, um den anhaltenden Haushaltsdefizit zu begegnen, das 9/11 Museum in New York sorgt schon vor seiner Eröffnung für Empörung, weil es einen Eintritt von $ 24 verlangen wird und bereits im letzten Jahr haben einige der Staatlichen Museen zu Berlin ihre Preise erhöht. Zugleich ist der Eintritt in viele Museen Londons seit einigen Jahren frei, was zu deutlich steigenden Besucherzahlen beführt hat, allerdings auch zu finanziellen Verlusten, die wiederum aus dem öffentlichen Haushalt ausgeglichen werden müssen.

Wo also liegt der Königsweg? Sollte es eine einheitliche Regelung geben oder sollte vielmehr jedes Museum in Anbetracht der eigenen und spezifischen Umstände darüber entscheiden können, ob und wie viel Eintritt es nimmt? Sagen Sie uns Ihre Meinung!

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10 comments on “Freier Eintritt in Museen?
  1. Gut wir sind ein ganz kleines Museum, aber die Frage mit dem Eintrittgeld hat uns auch jahrelang beschäftigt. Verlangen wir offiziell Eintritt, dann kommen viele Besucher nicht mehr, verlangen wir keinen Eintritt, dann heißt es: “Was nichts kostet, ist nichts wert:” So heißt es jetzt bei uns: Eintritt frei, Spende erwünscht! Wir fahren mit dieser Lösung sehr gut. Als Richtschnur für die Spende geben wir 2,- € an. Viele, die unsere ehrenmtliche Arbeit schätzen, geben 5,- oder sogar 10,- €! Wer dann mal so durchläuft, ohne zu spenden, wird so wieder ausgeglichen. Allerdings sitzt immer jemand bei uns am Eingang, begrüßt die Besucher, redet mit ihnen und so fühlen sich die meisten zu einer Spende verpflichtet. Wir haben bisher gute Erfahrung gemacht, aber das geht nur einem kleinen und recht persönlich gestalteten Museum. Aber Spende ist freiwillig und Eintritt bedeutet Pflicht. 1-, 2-, und 5-Cent-Stücke sind sehr selten.
    Wir sind auf dieses Spendengeld angewiesen, um unsere Museumsarbeit fortzusetzen.

  2. Liebes Webteam,

    schaut mal auf Twitter nach. Euer Artikel wurde diskutiert. Hatte den Hashtag #MuseumsPolitics nicht präsent. Auf meinem Account @tanjapraske könnt Ihr die Diskussion nachverfolgen. Ihr habt scheinbar keinen Twitteraccount, oder? Fände ich gut, wenn es einen gäbe.

    Schöne Grüße
    Tanja Praske

  3. Zwischen kostenpflichtigen und freiem Eintritt gibt es noch eine weitere Lösung, ein Vorschlag der 2010 durch die Presse ging, meines Erachtens aber nicht weiter verfolgt wurde. Er kommt aus der ökonomischen Perspektive und geht von der Annahme aus, dass bei knappen Ressourcen derjenige zum Zuge kommt, der bereit ist, am meisten zu zahlen. Übertragen auf das Museum hieße das: Wenn die Ausstellung voll ist, muss mehr zahlen, wer trotzdem noch rein will. Dies ist natürlich eine Extremposition und macht auch nur Sinn im Falle der „Blockbuster“-Ausstellungen. Auf den normalen Museumsalltag übertragen könnte man auch sagen: Der Besucher zahlt am Ende je nach Verweildauer, da er ja vorher auch nicht weiß, was ihn erwartet. Wie auch immer – eine Überlegung ist es wert, und der Vorschlag wirft nochmal ein anderes Licht auf die Bewertung des „Produkts Museum/Ausstellung“.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/eintrittspreise-museen-sind-wie-parkhaeuser-1980909-l1.html

  4. I’m just sharing two comments that came on my blog, The Uncataloged Museum in response to sharing this post, both from the US. Michelle Moon wrote,

    “I’d like to see them phased out over time. However, the physical design of most museums presumes minority access and low volume. We’ll need infrastructure and operational changes to smoothly manage increased participation. Watching the debate over opening MoMA’s ground floor and sculpture garden is telling, as it indicates that one function of an admissions fee is to act as a choke valve on wide access.”

    And Sue McLeod commented,

    “Museums here are mostly still free (unless they are privately run) but most charge for the ‘blockbuster’ exhibitions e.g. Pompeii or the Impressionists or whatever, as an add on. There is a big culture of corporate sponsorship though – also problematic at times.”

  5. “Eintritt frei und Spaß dabei”
    Seit 2008 ist der Eintritt im Naturkundemuseum Mauritianum in Altenburg frei. Die Entscheidung fiel aus ökonomischen Gründen. Eintritt nehmen lohnt sich nicht! Jedenfalls bei unserer Museumsgröße (14.000 Besucher pro Jahr, hauptsächlich Kinder). Die Person, die an der Kasse (fest)sitzt kostet mehr als sie kassiert. Deutlich mehr! Zusätzlich gibt es bei uns Besucherbegleiter, die jedoch im Haus umherwuseln, Kinder helfen, etwas erläutern … Am Kassentresen muss keine Person warten und die Hand aufhalten. Die Besucherbegleiter weisen jedoch auch auf die Spendenvitrine hin. Dort hat der besucher noch die Möglichkeit zu entscheiden für was er seine Spende gibt: für ein neues Präparat, für die Restaurierung eines Kolibris, für die Kinderveranstaltungen … Die eingesparten Personalkosten für die “Kassenkraft” wurden in die Museumspädagogik gesteckt. Da sind sie sinnvoller genutzt.
    Möglich wurde diese Umstellung nur durch einen Trägerwechsel im Jahre 2007 – von der kommunalen Verwaltung zum Förderverein, der mit dem festen kommunalen Bewirtschaftungszuschuss frei umgehen kann. Da war die Entscheidung, den Eintritt abzuschaffen eine logische Entscheidung. Der Museumsshop steht auch schon auf der “Abschussliste”! Muss man den Kindern “Klimbim” andrehen, wie bei Netto an der Kasse? Der Einnahmen wegen? Die decken die Ausgaben für die notwendigen Vorgänge (Einkauf, Buchung, Verkauf, Buchung, Entscheidung wann was wieder notwendig ist …) eh nicht.

  6. Dieses Argument gibt es öfters, dass das Personal an der Kasse das Museum mehr kostet als es dabei gewinnt. Das gilt natürlich besonders für kleine Museen. Neu für mich ist die Verknüpfung des Themas mit dem Museumsshop! In der Regel ist das ja gerade eine Kompensationsmöglichkeit für die ausbleibenden Eintrittsgelder. Erstaunlich, dass sich hier keine Einnahmen erzielen lassen, gerade da, wo Kinder zu den Besuchern zählen und ihre Eltern so lange belagern, bis sie etwas für sie kaufen?! Soll denn der Shop, der ja offenbar separat läuft, ganz abgeschafft werden, oder könnte man ihn z.B. mit der Garderobe oder einem Informationsservice verbinden, so dass er zwar keine zusätzlichen Kosten verursacht, aber doch nach wie vor die Chance eröffnet, wenigstens etwas Geld einzunehmen?

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