“Wir, die Museen, stehen nicht außerhalb der Politik, aber darüber”

Foto: http://topdialog.ru/2013/12/05/yuliya-kantor-za-god-kultury-k-etoj-sfere-budet-privlecheno-bolshe-vnimaniya/

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Prof. Dr. Julja Kantor, Historikerin, Journalistin und Beraterin von Michail Piotroskij, Direktor der Staatlichen Ermitage in St. Petersburg, hielt auf der Konferenz in der Sektion 3 „Museums and ‚Hard History‘“ einen Vortrag zum Thema “The paradigm  ‚The historical truth – historical memory – historical policy‘ in Russia. Museum aspect“. Zwei Tage nach der Konferenz habe ich mit ihr über die gesamte Konferenz gesprochen.

Welches waren Ihre stärksten Eindrücke?

Als stärkster Eindruck bleibt zunächst mal die Tatsache, dass die Konferenz überhaupt stattgefunden hat und dass die Vertreter der drei ICOM-Komitees zusammen gekommen sind. Weiterhin hat mich die professionelle und konstruktive Atmosphäre beeindruckt, was ja vor dem Hintergrund der aktuell schwierigen internationalen Situation nicht selbstverständlich ist. Dabei gab es weder das Bestreben,  die schwierigen Themen  unter den Teppich zu kehren, noch bewusste Provokationen oder auch übertriebene politische Korrektheit. Das freut mich sowohl als Historikerin als auch als Museumsmitarbeiterin. Die  ICOM-Vertreter und Mitglieder haben eine gemeinsame Sprache gefunden. Continue reading

Das neue Weltkriegsmuseum in Carskoe Zelo

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Foto: http://rbth.com/arts/2014/08/24/first_world_war_i_museum_in_russia_opens_near_st_petersburg_39229.html

Der Besuch des im August eröffneten Weltkriegsmuseums war einer Programmänderung zum Opfer gefallen und bei unserem gestrigen Besuch der Zarenresidenz vor den Toren von Petersburg nicht mehr vorgesehen. Ich habe dennoch einen Vorstoß gewagt und tatsächlich fanden sich noch einige andere russische Kolleginnen, die die Gelegenheit für einen Besuch des ersten und einzigen Museums zum Ersten Weltkrieg in Russland nutzen wollten. Zusammen sind wir die 20 Minuten durch den wunderbaren Park des Schlosses zum Gebäude der alten Rüstkammer gelaufen. Nur von weitem konnten wir die kleineren Paläste sowie den Weißen Turm sehen, die erst kürzlich restauriert oder umgestaltet wurden und der Öffentlichkeit übergeben worden.

Ein Gebäudekomplex wies uns schon den Weg zu unserem Thema, dem Ersten Weltkrieg. Dort hatten die Zarenkinder während des Weltkrieges gespielt, in der Außenanlage erkennbar an den „Schützengräben“. Continue reading

Artilleriebeschuss auf der Festung

WIN_20140911_084436Das Thema der ersten Sektion war heikel und kontrovers, der Kanonenschuss um 12.00 Uhr hat die Teilnehmer trotzdem kalt erwischt. Erst die Erklärung der Kollegen, dass es sich nicht etwa um eine russische Reaktion auf die Diskussion handele, sondern um eine tägliche Tradition, konnte das Auditorium beruhigen und trug zur weiteren Entspannung angesichts vieler brisanter Themen bei.

Die Rede ist hier von der ersten von vier Sektionen der Konferenz an diesem Tag, die in leider so weit voneinander entfernten Museen stattfanden, dass es unmöglich war, zwischen den Veranstaltungen zu wechseln. Schade, denn in jeder Sektion gab es interessante Vorträge, die zu hören sich gelohnt hätte. Ich aber habe mich für „Museen und Außenpolitik“ entschieden, die im Museum für die Geschichte der Stadt St. Petersburg in der Peter und Paul-Festung stattfand. Der mit Glas überdachte Innenhof der ehemaligen Kommandantur, in dem sich heute die Dauerausstellung des Museums zur Geschichte der Stadt befindet, bot der Konferenz unter dem sonnigen Petersburger Himmel einen ebenso würdigen wie schönen Ort. Continue reading

1914-2014 – Der Weltkrieg im Museum

Eröffnung der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum

Eröffnung der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum

In der letzten Woche hat das Deutsche Historische Museum eine große Ausstellung zur Geschichte des Ersten Weltkrieges eröffnet. Zwar thematisiert die Ausstellung selbst die Ereignisse zwischen 1914 und 1918, doch hat die internationale Zusammenarbeit bei den Vorbereitungen der Ausstellung mit Leihgaben vieler Länder, darunter Großbritannien, Frankreich, Polen und Russland, auch die Frage einer gemeinsamen europäischen Erinnerung aufs Neue gestellt. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion über eine kollektive europäische Identität ist dies ein durchaus politisches Thema für viele Museen. Continue reading

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