Das neue Weltkriegsmuseum in Carskoe Zelo

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Foto: http://rbth.com/arts/2014/08/24/first_world_war_i_museum_in_russia_opens_near_st_petersburg_39229.html

Der Besuch des im August eröffneten Weltkriegsmuseums war einer Programmänderung zum Opfer gefallen und bei unserem gestrigen Besuch der Zarenresidenz vor den Toren von Petersburg nicht mehr vorgesehen. Ich habe dennoch einen Vorstoß gewagt und tatsächlich fanden sich noch einige andere russische Kolleginnen, die die Gelegenheit für einen Besuch des ersten und einzigen Museums zum Ersten Weltkrieg in Russland nutzen wollten. Zusammen sind wir die 20 Minuten durch den wunderbaren Park des Schlosses zum Gebäude der alten Rüstkammer gelaufen. Nur von weitem konnten wir die kleineren Paläste sowie den Weißen Turm sehen, die erst kürzlich restauriert oder umgestaltet wurden und der Öffentlichkeit übergeben worden.

Ein Gebäudekomplex wies uns schon den Weg zu unserem Thema, dem Ersten Weltkrieg. Dort hatten die Zarenkinder während des Weltkrieges gespielt, in der Außenanlage erkennbar an den „Schützengräben“. Continue reading

Drawing a Blank – Ukraine’s Maidan Protests and Manifesta

Foto: http://www.dw.de/manifesta-10-kunst-in-der-konfrontation/a-17743699

Foto: http://www.dw.de/manifesta-10-kunst-in-der-konfrontation/a-17743699

The European art biennial Manifesta is hosted by St. Petersburg this year. Until the 31st of October the Hermitage presents works of international contemporary artists, curated by Kaspar König. His choice of this year’s place had been strongly criticized and the beginning of the Ukraine crisis has continued to aggravate this debate.The American artist Sean Snyder and the Ukrainian cultural scientist and professor of Cultural Studies at the national University of Kyiv-Mohyla Academy, Olga Bryukhovetska, reflect on the Manifesta and the power of contemporary art in the light of the Kiever Majdan protests. The text was published first in the magazine of contemporary art and culture „frieze“ no 164 (June, July, August, 2014).

‘It is by refusing to turn Russian money into cultural capital that we can get the point across that Putin’s policies are beyond the pale,’ wrote Jonathan Jones in a Guardian blog entry entitled ‘Let’s Hit Putin where It Hurts – All Artists Must Boycott Russia’, posted in early April. In fact, by that point, discussions around a boycott of the Kasper König-curated Manifesta 10 – slated to take place in Saint Petersburg from 28 June to 31 October – had been ongoing for several months, initially prompted by the Russian authorities’ oppression of dissidents and lgbt rights activists, and subsequently fuelled by events in Ukraine, with Russia punishing the country for the democratic victory gained during the recent Maidan protests in Kyiv. While the Polish artist Paweł Althamer, the Romanian artist Dan Perjovschi and the Saint Petersburg-based collective Chto Delat? have already declined to participate, the evolving situation in Ukraine compels everyone involved in Manifesta 10 to take a stance on whether or not to collaborate with Russia’s rich and powerful.

The word maidan – square – has come to define a revolutionary, self-organized people defending their rights. Since 1989, when students demanding Ukrainian independence from the Soviet Union occupied Maidan, major protests have always taken place here. In a bid to inhibit mass protest, the square’s lavish open spaces – typical of late-Soviet design – were remodelled in the early 2000s: kitschy sculptures were installed and glass domes rose up from the new underground shopping mall, impeding movement. These precautionary measures failed dramatically, however, when allegations that the election of the country’s Prime Minister, Viktor Yanukovych, had been corrupt resulted in the Orange Revolution of November 2004.

The latest Maidan protests, which began on 21 November 2013, saw the site reconfigured as a stronghold for protesters, who occupied the square with tents and tyre barricades. Art was a significant presence from the outset, with students from the nearby Kyiv Conservatory carrying a piano into the square and playing Chopin for the crowd despite freezing temperatures. The protestors, a number of whom were artists, designed posters, painted helmets and graffitied slogans around the square. Continue reading

1914-2014 – Der Weltkrieg im Museum

Eröffnung der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum

Eröffnung der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum

In der letzten Woche hat das Deutsche Historische Museum eine große Ausstellung zur Geschichte des Ersten Weltkrieges eröffnet. Zwar thematisiert die Ausstellung selbst die Ereignisse zwischen 1914 und 1918, doch hat die internationale Zusammenarbeit bei den Vorbereitungen der Ausstellung mit Leihgaben vieler Länder, darunter Großbritannien, Frankreich, Polen und Russland, auch die Frage einer gemeinsamen europäischen Erinnerung aufs Neue gestellt. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion über eine kollektive europäische Identität ist dies ein durchaus politisches Thema für viele Museen. Continue reading

Das Museum als Identitätsstifter

http://www.belarus.by/en/press-center/press-release/ten-centuries-of-art-in-belarus-expo-opens-in-minsk_i_0000010516.html

http://www.belarus.by/en/press-center/press-release/ten-centuries-of-art-in-belarus-expo-opens-in-minsk_i_0000010516.html

Das Nationale Kunstmuseum in Minsk zeigt derzeit eine Sonderausstellung, die einige Fragen zu „Museum und Politik“ in Belarus aufwirft. Zum einen geht es um die Deutungshoheit nationaler Kunstgeschichte, zum anderen um die Verquickung musealer, wirtschaftlicher und politischer Interessen. Worum geht es?

Gezeigt wird die Ausstellung „10 Jahrhunderte Kunst in Belarus“  (27.3. bis 10.7.2014), das „Projekt des Jahres“ aus Anlass des 75.Jahrestages des Museums. Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint, ist indes hoch politisch. Der Titel „Kunst in Belarus“ markiert eine Position in der Debatte über die nationale Identität: Was macht Belarus aus? Continue reading

Museum & Politik: Blitzlicht Nationales Kunstmuseum Lettland

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Andris Breže: Dove of Peace, 2014

Die hier schon mal erwähnte Ausstellung zum Ersten Weltkrieg in Riga ist in der Zwischenzeit eröffnet worden. Kürzlich hatte ich Rahmen einer Konferenz zum Thema „Der Krieg 1914 und der Modernismus“ Gelegenheit, sie zu sehen. Hatte mich schon zuvor das Konzept fasziniert, hat mich nun auch die räumliche Umsetzung überzeugt: Die Verbindung von Geschichte und Kunst aus der Kriegs- und Nachkriegszeit sowie individueller Kriegserfahrung und zeitgenössischer Kunst. Nach wie vor sehe ich darin einen eigenen und sehr spezifischen Beitrag zum Jahrestag, der zum Nachdenken über den Weltkrieg anregt, aber auch eine wohl einmalige Chance bietet, Kunst aus Ländern zu sehen, die wir hierzulande oft nicht ausreichend wahrnehmen: Serbien, Kroatien, Tschechien, Slowakei, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowenien und Ungarn. Continue reading

The Guillotine: On display or not?

The newspaper “Sueddeutsche Zeitung” recently reported about the discovery of a guillotine in the museum depot of the “Bayerisches Nationalmuseum”. Since then a controversial discussion has emerged, not only among the experts. This guillotine is not just any killing machine, it is without much doubt the device that was used to execute Hans and Sophie Scholl and Christoph Probst on February 22, 1943. Should an object like this be put on display at all? Continue reading

100 Jahre Erster Weltkrieg – Was machen die Museen?

Siegerentwurf für ein Denkmal zum Ersten Weltkrieg in Moskau http://1914.histrf.ru/monument/voting/

Siegerentwurf für ein Denkmal zum Ersten Weltkrieg in Moskau
http://1914.histrf.ru/monument/voting/

Im Nachgang zu meinem ersten Beitrag anlässlich des 100. Jahrestages seit Ausbruch des Ersten Weltkrieges, möchte ich dieses Thema vertiefen und fragen, was die Museen in den verschiedenen Ländern zu diesem Anlass planen. Aus meiner eigenen Arbeit weiß ich, dass Russland dieses Datum sehr ernst nimmt. Mit einer Regierungskommission, Konferenzen, Publikationen, Ausstellungen, Museumsgründungen und Denkmälern soll der über lange Zeit hinweg „vergessene Krieg“ wieder zu einem Teil der Erinnerungskultur werden. Continue reading

2014 – 100 Jahre Erster Weltkrieg

Quelle: http://www.lnmm.lv/ru/lnmm-g/

Quelle: http://www.lnmm.lv/ru/lnmm-g/

Die Petersburger Konferenz fällt in das Jahr, in dem sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährt. Dieses Ereignis wird in fast allen, damals am Krieg beteiligten Ländern mehr oder weniger intensiv mit Veranstaltungen und Ausstellungen begangen. Das Deutsche Historische Museum beispielsweise wird eine große Ausstellung im Pei-Bau zeigen, ebenso das Staatliche Historische Museum in Moskau sowie viele andere russische Museen. Für die Teilnehmer unserer Konferenz ist der Besuch des eigens neugegründeten Museums für den Ersten Weltkrieg in Carskoe Zelo vorgesehen (die Eröffnung ist für den 1.9.2014 geplant). Überhaupt fällt gerade in Russland eine stark von oben gesteuerte Erinnerung an einen über lange Zeit vergessenen Krieg auf. Den meisten dieser Ausstellungen liegen klassisch historische, kulturgeschichtliche oder auch militärgeschichtliche Konzeptionen zugrunde und stellen damit die Politik- und Diplomatiegeschichte in gewohnter Weise in den Vordergrund.

Ganz anders geht eine Ausstellung in der Kulturhauptstadt Europas, in Riga, im Lettischen Nationalen Kunstmuseum mit der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg um. Continue reading

Museum und Macht – Ein Besuch im vorarlberg museum

vorarlberg museumVor kurzem hatte ich die Möglichkeit, das neu eröffnete vorarlberg museum in Bregenz/ Österreich zu besuchen. Bereits vor einem guten Jahr konnte ich im Rahmen der ICOM Bodenseekonferenz den Rohbau besichtigen und das Museumskonzept kennenlernen.
Nun war ich höchst gespannt, wie das ambitionierte Projekt umgesetzt wurde.
Um es vorweg zu nehmen: Es gibt viele Dinge, die mich an diesem Museum begeistern. Hier möchte ich mich aber auf das Thema Macht und Museum beschränken.

Das vorarlberg museum halte ich für ein gutes Beispiel wie es Museen gelingen kann, die Deutungshoheit und damit die Macht über die Dinge, ihre Geschichten und ihre Wahrnehmung in Frage zu stellen: Es macht seinen Besuchern das Angebot, die Mechanismen eines Museumsbetriebs zu verstehen, die Autorität der Institution (genauer: der darin tätigen Menschen) zu hinterfragen und lädt sie zugleich ein, ihre Sichtweisen und ihr Wissen in die präsentierte(n) Geschichte(n) einfließen zu lassen.
Das Schlagwort „Partizipation“ ist mittlerweile in aller Munde. Aber nicht selten verbirgt sich hinter der lautstark verkündeten Parole keine wirklich ernst gemeinte Einladung zur Teilhabe. Dem vorarlberg museum ist es gelungen, diese Angebote unaufgeregt und wie selbstverständlich in die Ausstellung hinein zu weben. Continue reading

Politik im Museum

Экспозиция в Музее политической истории в С-Петербурге

Daueraustellung im Museum für Politische Geschichte in St. Petersburg

Bisher war viel die Rede vom institutionellen Verhältnis von Museum und Politik. Wie sieht es aber aus mit der Politik im Museum, ihrer Darstellung in der Ausstellung? In den Snippets berichtet ein Kollege von seinen Eindrücken aus Jarkarta, wo die offizielle Präsentation der Geschichte eine ganz andere war, als die Sicht der westlichen Welt. Dies ist in vielen Ländern so, wie z.B. in Belarus, von wo Alla ihre Eindrücke schildert. Hier trifft in der Regel nicht zu, was Andreas Grünewald Steiger für das Museum konstatiert, dass nämlich jedes Museum per se politisch sei, weil es „gestaltend, fördernd und entwickelnd“ agiert. Auch die von ihm postulierte Unabhängigkeit von Politik und Kultur gibt es hier nicht, wenngleich natürlich einzelne „handelnde Köpfe“ ihr bestes tun, in den gegebenen Bedingungen Freiräume zu schaffen. Alla schreibt, dass Politik eher auf die Museen wirkt als umgekehrt, zumal im postsowjetischen Raum. Mir kommt dabei das Museum für Politische Geschichte in St. Petersburg in den Sinn, wo unsere Konferenz stattfinden wird. Continue reading

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